Bäckerei/Konditorei Terjung aus Lüdinghausen hat als erster Bäckerfachbetrieb die Chancen des Lean & Green Checks im Netzwerk GEP genutzt.

Drei Standorte hat die Bäckerei Terjung in Lüdinghausen zusätzlich zum Stammhaus in den vergangenen fünf Jahren eröffnet. Ein Kraftakt für alle Beteiligten. Um den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden, strukturierte Inhaber Jörg Terjung die Produktion vollkommen neu. Unterstützt wurde er dabei von den unabhängigen Beratern des Netzwerks GEP, die das Unternehmen einem gründlichen Lean & Green-Check unterzogen.  

 

Beschaulich und solide stand die Bäckerei Terjung im Jahr 1994 da, als Konditormeister Jörg Terjung und seine Frau den Betrieb in Lüdinghausen übernahmen. An Backstationen in den Supermärktendachte damals kaum jemand. Statt Snacks unterwegs zu kaufen, schmierte man sich zu Hause seinPausenbrot. Das breite Bäckereisortiment und die große Auswahl an Torten und Kuchen kam denKundenbedürfnissen bestens entgegen.

Rund zwanzig Jahre später sah die Situation für Terjung allerdings anders aus: Das Konsumentenverhalten hatte sich geändert, die Kosten für Rohstoffe und Personal waren gestiegen. Der Konditor wusste: „Wir müssen etwas anders machen, um konkurrenzfähig zu bleiben.“ Erst recht, da mit Sohn Felix ein potenzieller Nachfolger bereits in den Startlöchern steht. Um fürWachstum zu sorgen, schaute sich Terjung nach neuen Standorten um. Auf Burg Vischering wurde er fündig und richtete ein gemütliches Bäckereicafé ein. Die ehemaligen Stallungen der Wasserburg geben dem neuen Tejung-Café Reitstall seinen Namen. Täglich kommen Touristen auf das Gelände. An Wochenenden finden die Terjung’schen Torten besonderen Anklang.Dazu gibt es ein breites Getränkeangebot, Softeis und Eiskaffee. 

Persönlicher Kontakt
Weitere Standorte fanden sich für das neu eröffnete Backwiärk (plattdeutsch für Backwerk) und den Kleinen Terjung in der Tüllinghofer Straße. In jeder der insgesamt vier Verkaufsstellen gibt es Brot, Brötchen, Snacks und feine Backwaren. Dazu ausreichend Sitzplätze. Der persönliche Kontakt zu seinen Kunden ist Terjung wichtig: „In einem Ort wie Lüdingshausen bieten wir lokale Treffpunkte, wo man sich austauscht“, sagt er. Zu den vier Verkaufsstellen kommen zwei weitere Standbeine der Bäckerei hinzu: das Liefergeschäft und der Wochenmarktverkauf. Mehrfach in der Woche fährt Terjung persönlich raus und heizt auf den Märkten einen Holzofen auf seinem Verkaufsanhänger ein. Der Duft von frisch gebackenem Brot lockt jedes Mal zahlreiche Kunden an den Stand. 

Ressourcenschonend produzieren
Insgesamt 40 Mitarbeiter sorgen bei Terjung dafür, dass all dies zu bewältigen ist, davon 13 in der Produktion. Das schnelle Wachstum hatte seinen Preis: Da die Produktionsmenge deutlich angehoben werden musste, platzte die Backstube aus allen Nähten. Immer wieder hatte man hier und da nachgebessert, allerdings nicht systematisch. Das sollte sich nun ändern. Im Gespräch mit Thomas Melchert vom Netzwerk GEP wurde Terjung auf eine Fördermaßnahme aufmerksam. Das Netzwerk unterstützt mittelständische Handwerksbetriebe im deutschniederländischen Grenzgebiet dabei, schlanker und ressourcenschonender zu produzieren. Dafür kommen unabhängige Berater für zwei Tage in das Unternehmen und arbeiten konkrete Handlungsempfehlungen aus. 

Einsparmöglichkeiten
Zunächst identifizierten die Berater im Gespräch mit Terjung die relevanten Bereiche, anschließend gingen sie gemeinsam durch den Betrieb. Schnell geriet neben Laufwegen und Retouren vor allem eines in den Blick: die Kommunikation. Viele Inhalte, die für Terjung eine Selbstverständlichkeit darstellten, wurden innerhalb der Abteilungen nicht weitergegeben. Einige Prozesse waren nicht so klar definiert, wie gedacht. Darüber hinaus erkannten die Berater weitere Einsparmöglichkeiten: „Bisher warfen wir im Jahr bis zu 50.000 Euro an nicht verkauften Broten und Backwaren weg. Durch eine bessere Verkaufsberatung und einige Anpassungen konnten wir diesen Wert auf rund 20.000 Euro senken“, erklärt Terjung. Das Sortiment soll deutlich reduziert werden. Aktuell umfasst es etwa 170 verschiedene Artikel. 

„Vieles haben wir schon umgesetzt“
Insgesamt umfasst die Beratung inklusive Begehung und Analyse nur vier Tagwerke. Dem Unternehmer bringt die Unterstützung zahlreiche Vorteile. Terjung ist von der Genauigkeit und Fülle der Handlungsempfehlungen überrascht: „Das Dokument, das die Berater mir zur Verfügung stellten, ist mehrere Seiten lang. Ich arbeite das jetzt Schritt für Schritt ab, vieles haben wir schon umgesetzt“, sagt er. Da es sich um eine geförderte Maßnahme handelt, übernimmt das Netzwerk die Hälfte der Beratungskosten. Ein begleitetes Umsetzungsprojekt, das ebenfalls finanziell unterstützt wird, will Terjung in Kürze anschließen. „Wir tun jetzt schon, was wir können. Nur wenn du Neuerungen einführst, kommst du weiter“, ist der Konditor überzeugt.


Die Projektpartner:

 


Thomas Melchert
Tel.: +49 (0)251 5203-123
thomas.melchert@hwk-muenster.de
 

Thorsten Heilker
Tel.: +49 (0)5921/96-2309
thorsten.heilker@grafschaft.de

 

 

 

 

Bert Heijenk
Tel.: +31 (0)88 011 23 45
b.heijenk@stodt.nl